Eine Lesung mit verteilten Rollen


Dr. Manfred Korth und Hanne Schnabel gaben literarische Kostproben

RHV vom Do., 4. August 2005

4c Grundschule Nordring

ROTH (un) — Gut besucht war die Autorenlesung in der Buchhandlung Genniges in Roth. Dr. Manfred Korth und Hanne Schnabel alias Stefanie Bachstein lasen Prosa und Lyrik aus ihren Büchern.

Korth trug Gedichte aus seinem Lyrikband „Zuvielisation“ vor. Er beschäftigte sich mit dem „Zahnrad der Vergänglichkeit“, mit dem Ausspruch „In der Leere wirkt die Nüchternheit“ von Bertold Brecht und ironisierte mit „Habt Erbarmen“ die Widersprüche unserer Gesellschaft („Habt Erbarmen mit dem Fußballstar, der nicht betreten kann die Bar“).

Seine heitere Kurzgeschichte „Mit List und Mücke“ beschreibt, wie eine einzelne Mücke einen Anwalt fast in den Wahnsinn treibt. In weiteren Gedichten beschäftigte sich Manfred Korth mit der „sozialen Schwerkraft“, mit der Eitelkeit der Menschen, mit den Schattenseiten des Fortschritts, mit dem Phänomen „Liebe auf den ersten Blick“ und über die nicht wahrgenommene Wirklichkeit.

In seinem „Metamorphosensonett“ bewies Manfred Korth, dass er auch mit „klassischen“ Reimschemata arbeitet. Korth machte sich Gedanken über das Thema Vergänglichkeit und Ewigkeit („Eichenrhapsodie“), er trug Hölderlin zu Ehren eine Elegie vor und outete sich als „bekennender Heinrich-von-Kleist-Fan“.

Dr. Manfred Korth ist Leiter des Jugendamtes am Landratsamt in Roth. In seiner Freizeit schreibt er Romane, Kurzgeschichten und Lyrik. Inzwischen liegen sechs Veröffentlichungen von ihm vor: „Gardez! Roman um einen Schachbesessenen“ (1999), „Unter einer Decke – Roman um einen Pyromanen“ (2000), „Zuvielisation“ – Gedichtband (2002), „Strumpf ist Trumpf“ (2003), „Kopfgewitter“ – Gedichtband (2003) und „Rolle rückwärts“ – Roman (2004).

Korth ist Gewinner des Poeticus-Short-Story-Wettbewerbes 2002, Lyrikpreisträger bei „Poetry on the Cover“ (2003), Preisträger bei „netzine“ für Kurzgeschichten 2003 und Preisträger beim Schweriner Satirepreis 2004.

Auch Hanne Schnabel trug im Wechsel Lyrik und Prosa vor. In ihren Texten thematisierte sie menschliche Befindlichkeiten („Sprachlos“, „Sitzfleisch“) ebenso wie aktuelle politische Ereignisse („Al Quaida“, „Ganzkörperschleier“), Naturschilderungen („Eisregen“) und religiöse Einflüsse („Talita hami“, „Politischer Waschzwang“) oder Haikus.

Nach einem Ausschnitt aus ihrer neuen Erzählung „Am Meer gelegen“ trug Hanne Schnabel längere Passagen aus ihrem Buch „Du hättest leben können“ vor. Darin beschreibt sie, wie ihre Tochter vor neun Jahren nach einem Unfall durch die Fehlintubation einer Notärztin starb. „Ich wollte ein Buch darüber schreiben, weil es für mich eine Verarbeitung des tragischen Geschehens war“, berichtete die Autorin.

Hanne Schnabel alias Stefanie Bachstein, eine echte Nordseekrabbe, lebt in Schwabach und arbeitet im sozialpädagogischen Bereich. Die Autorin ist Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband sowie Initiatorin und Organisatorin der wöchentlichen Lesereihe „Schwabach liest“. Sie veröffentlichte den Gedichtband „Blauort“ (2004) und das Buch „Du hättest leben können“ (2002). Dieses Buch wurde von der Stiftung Gesundheit in Kiel im Rahmen des Publizistik-Preises 2004 besonders gewürdigt.

Originell, dass beide Autoren jeweils ein Gedicht austauschten und vorlasen. Originell auch, dass die Vortragenden am Schluss dieser Lesung ein längeres Gedicht von Korth gemeinsam mit verteilten Rollen vortrugen.

<QM>ROBERT UNTERBURGER

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Am Ende lasen beide Landkreis- Autoren mit verteilten Rollen ein längeres Gedicht von Manfred Korth. Aufmerksam lauschten die Zuhörer in der Rother Buchhandlung Genniges den Literarischen Gedanken der Vortragenden.