Die Rother Autorengruppe „Sonderzeit“ stellte ihre erste Anthologie „Rothfeder“ vor. / Auch Schwabacher Autoren vertreten

RHV vom 25. Oktober 2005

4c Grundschule Nordring

ROTH – Über 50 Literaturinteressierte waren in die Buchhandlung Genniges gekommen, in der die Rother Autorengruppe „Sonderzeit“ ihre erste Anthologie „Rothfeder“ vorstellte. Sieben Autorinnen und Autoren stellten in kurzen Lesungen Kostproben ihres aktuellen Schaffens vor. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von dem Nürnberger Künstler „Oliva“, der Chansons aus Deutschland, Frankreich und Italien vortrug.

Sonderzeit-Gründungsmitglied Robert Unterburger, der die Moderation übernommen hatte, berichtete mit launigen Worten über die Entstehungsgeschichte der jungen Rother Autorengruppe. „Unser Bestreben ist es, Schreibenden aus dem Landkreis Roth, aus der Stadt Schwabach und der Region ein Forum zu bieten, in dem sie sich austauschen können, in dem sie gemeinsame Lesungen durchführen und gemeinsame Publikationen herausgeben können“, sagte er.

Landrat Herbert Eckstein erinnerte daran, dass der Landkreis Roth einen Literaturpreis, den Elisabeth-Engelhardt-Preis, ausgeschrieben hat, der alle drei Jahre vergeben wird. „Das hat ein Zeichen gesetzt“, meinte er. Ferner will der Landkreis künftig auch einen Nachwuchswettbewerb für junge Autoren ausschreiben.

Eckstein lobte die Initiative von „Sonderzeit“, eine Autorengruppe im Landkreis zu etablieren. „Etwas niederzuschreiben ist ganz wichtig“, betonte er. „Autoren sind zwar Individualisten, in einer Gruppe aber können sie sich gegenseitig Impulse geben, sich gegenseitig hochpäppeln.“

Der Trend gehe zum Zweitbuch, meinte der Landrat humorvoll. Erfreulicherweise gebe es auch bei uns Versuche, das Lesen wieder hoffähig zu machen und vor allem auch junge Mensachen zum Lesen zu motivieren. „Lesen erlebt eine Renaissance“, freute sich Eckstein, „das wirkt der sprachlichen Verarmung entgegen.“

Landrat Herbert Eckstein beglückwünschte die Mitglieder der Autorengruppe zu ihrer ersten Anthologie „Rothfeder“, an der insgesamt 18 Autorinnen und Autoren aus dem Landkreis Roth sowie aus Schwabach und Nürnberg mitgeschrieben haben. „Kultur ist eine schwierige Angelegenheit und man muss auch den Mut haben, vor anderen Menschen eigene Texte vorzulesen“, hob Eckstein hervor. Den Autoren wünschte er Kritikfähigkeit und er ermunterte sie, auch Schullesungen zu veranstalten.

Insgesamt sieben Mitglieder der Autorengruppe gewährten anschließend den Zuhörerinnen und Zuhörern Einblicke in ihr Schaffen. Zunächst las Ingeborg Höverkamp aus Leerstetten ihre Kurzgeschichte „Winter 1944“ vor, die auch in der Anthologie abgedruckt ist und in der sie persönliche Schicksale im vorletzten Kriegsjahr beleuchtet.

Markus Hubrich, der seit 1989 Lyrik verfasst, beeindruckte durch eine Reihe von sprachgewaltigen Gedichten, die durch ihren Reichtum an inneren Bildern und Metaphern bestechen.

Eine Geschichte, die er unmittelbar nach Ausbruch des Bosnienkrieges schrieb, trug der in der Region bestens bekannte Schwabacher Autor Günter Baum vor. In ihr lässt er den Krieg und den Frieden in personifizierter Form als Antipoden aufeinander treffen. Dabei handelt e sich um eine sehr hintergründige Auseinandersetzung mit Begriffen und Schlagwörtern wie Heldentod, Herrschaft und Macht. Egal ob man es „Waffenstillstand“ oder „Friedenspause“ nennt : Jeder hat seinen eigenen Krieg und seinen eigenen Frieden, denn „Feuer und Wasser gehören zu den Notwendigkeiten des Lebens.“

Petra Schneider aus Schwabach machte sich ihre ganz eigenen lyrischen Gedanken zum Begriff „Fest“ und assoziierte damit Vorstellungen wie „felsenfest“, „festgefahren“ oder „Festigkeit“. Nach ihrem Gedicht „Schneewittchen und Narziss“ überraschte sie mit humorvollen Sprachspielereien über „Karl Schieferdecker, der die Dächer mit Schiefer deckt und jeden Tag ein bisschen schiefer deckt...“

„Meine Texte wachsen mit meiner Person“, meinte Andreas Friedrich aus Roth und trug neue Texte seiner „Tagebuchlyrik“ vor. Friedrichs vielschichtige Gedankenlyrik ist philosophisch und poetisch gleichermaßen. „Einen echten Friedrich erkennt man dadurch, dass immer ein Datum über den Texten steht“, sagte er.

Auch Billy Wechsler aus Roth ist ein Vertreter der Popliteratur. „Ich wünsche mir, ein Popliterat zu sein“, bekannte er und rezitierte einige Beispiele seiner tiefgründigen Lyrik. „Du bist Gott und alles andere ist zeitloses Vergehen“, lautete einVers eines seiner Gedichte, die er in gewohnt ausdrucksvoller Manier vortrug.

Last but not least trug Martina Bohnert – Gerber Ausschnitte aus ihrem Text “Wenn der Herbst kommt” vor. Bohnet – Gerber ist eine leidenschaftliche Gärtnerin und in vielen ihrer Texte und Gedichte stellt sie die Welt der Pflanzen und Rosen in den Mittelpunkt. Den Abschluss des Lesungsreigens bildete ihr skeptisches Gedicht „Kann es sein?“, in dem es unter anderem heißt: „Von der Erkenntnis sind wir weiter entfernt als je zuvor, der Anteil an Nichtwissen wächst ständig, wir kommen nicht mehr zur Ruhe, es gibt keine Gemeinsamkeiten mehr, die Verbindungen sind längst brüchig geworden.“

Die Anthologie „Rothfeder“ der Rother Autorengruppe „Sonderzeit“ ist erhältlich im Buchhandel. Sie kostet 12,50 Euro. Die ISBN-Nummer lautet: 3-8334-2153-3.

ROBERT UNTERBURGER

22.10.2005

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