Fränkische Matinee mit Prof. Dr. Hermann Glaser


„Zwei Franken heißt drei Meinungen.”

 

Die Matinee mit Herrn Prof. Hermann Glaser und dem Silke-Straub-Trio war ein großer Erfolg. Offensichtlich hat Genniges-Bücher mit einer Buchvorstellung am Sonntag vormittag, gewürzt mit wirklich hörenswertem Jazz und Häppchen den Geschmack Vieler getroffen: über hundert Besucher verbrachten in der Kulturfabrik einen angenehmen Vormittag.

Vielleicht sollten wir das öfter machen?

Hermann Glaser

ROTH — Professor Hermann Glaser, in Franken längst eine Institution, stellte in der gut besuchten Kulturfabrik Roth sein neues Buch „Ins Land
der Franken fahren“ vor. Guter Gott! Noch ein Buch über Franken? Ist denn nicht alles schon längst gesagt und geschrieben, damit hinreichend bekannt und bedarf es wirklich noch einer 240 Seiten umfassenden großen Schwarte mit dem Format eines typischen Bildbands, der sich hervorragend zum Blütenpressen eignet? Man täuscht sich leicht. Denn längst ist über Franken noch nicht alles gesagt.

Karl Hirschmann, Gymnasiallehrer in Roth und Vorsitzender des Heimatvereins Georgensgmünd, frankenversiert mit Tiefgang, führte mit Hermann Glaser ein Gespräch, moderierte sozusagen die Buchvorstellung. Dieses Gespräch orientierte sich an dem Aufbau des Buches, das zehn Kapitel umfasst, von Fränkischer Topographie bis hin zu Fränkischer Nostalgie. Auch das „Braune Franken“ von 1933 bis 1945 wird darin nicht ausgespart. „Es ist eine Tour durch die Topographie unserer Region“, wie der bestens aufgelegte und Charme versprühende „Oldie“ (Glaser über Glaser) feststellte. Wohltuend ergänzte er sich mit Karl Hirschmann, der das Gespräch mit Feststellungen über fränkische Eigenart, aber auch mit Fragen und Kritik gekonnt führte.

So äußerte er zum Beispiel, dass vom Raum Roth nichts oder nur wenig in dem Buch stünde und auch die Gegenwart insgesamt zu kurz käme.
Intensiv hingegen beschäftigte man sich bei dieser Matinee mit der oftmals gestellten Frage, ob es das „typisch Fränkische“ überhaupt gibt. „Im Kleinen ist der Franke groß“ heißt es. Dieser Gedanke spinnt sich von Erfindungen wie dem Fingerhut über Kugellager und Drahtziehmaschinen neben der allseits beliebten Bratwurst. Der Nürnberger Staatsschauspieler Erich Ude trug ausgewählte Texte aus dem Buch vor. In einem Text von Glaser wird beschrieben, dass der Franke isst, was er ist, und deshalb befände er sich in einer gefährlichen Nähe zum am Boden gründelnden und damit den Dingen gern auf den Grund gehenden Karpfen. Noch nicht gewusst? Eben!

Die kulinarische Seite Frankens betrachtend, stellte Hirschmann fest, dass Jean Paul wohl die Hälfte seines Lebens im Wirtshaus verbracht hatte, wobei sich ein wunderbarer Bogen zu Wein und damit zu Mainfranken und von dort zum Bier und unserer Gegend und damit zum Hopfen spannen ließ. „Wo sonst gibt es eine Landschaft“, fragte Glaser, „wo sich derart archetypische Nahrungsmittel darstellen: Vielfältige Brotsorten, Backkultur, Bier, Brauereidichte, Wein, etc.“
Natürlich fehlt in dem Band auch nicht eine Fotografie des Mühlreisighauses, wie alle Fotografien in dem Band von Toma Babovic exzellent eingefangen. Ein sterbendes Idyll, wie Karl Hirschmann angesichts der schrumpfenden Zahl von Hopfengärten anmerkte.

Dass der Franke, so Glaser, sich am liebsten sprachlich knapp fasst, doch auch — es soll tatsächlich schon vorgekommen sein — zu sprachlichen Höchstleistungen fähig ist und sogar rhapsodisch werden kann, zeigt das große Augenzwinkern, unter dem die Veranstaltung stand.

Dass zur besten Essenszeit ständig von Schäufele, Knödel, Bratwurst und ähnlichen Gaumenfreuden die Rede war, erzeugte bei manchem eine etwas gequälte Fassade. Was Wunder, dass der beredete Hermann Glaser den Bogen spannte von der Kartoffel zur Zitrone, damit zu den Nürnberger Hesperidengärten und, von der runden Form weiter inspiriert, sogar noch den armen Martin Behaim mit seinem Globus ins Boot holte. Womit er auf die Sehnsucht des Franken anspielte, aus der Fremde das Schöne heimzuholen und andererseits auch hinaus in die Welt zu ziehen. Schließlich war Behaim Seefahrer gewesen.

Nach Jean Paul, leider viel zu wenig gelesen, wie Hirschmann zu recht feststellte, kann der Franke „ganz tief in die Furche gehen, aber auch weit hinaus in die Sphäre.“ Er besitzt durchaus einen Zugang zur Idylle. Und diese vermitteln unter neben den vielen Bildern auch die Texte verschiedener Autoren, die Erich Ude vorlas. Sehr zur Freude des Publikums wurde er bei seinen Versuchen, fränkisch zu sprechen, von Glaser aufs Glatteis geführt.

Abgerundet wurde die Veranstaltung vom Silke-Straub Trio, das mit einfühlsamen Jazzinterpretationen zu unterhalten wusste Im Fazit: Eine
erfrischende Matinee, an der auch erstaunlich junges Publikum teilnahm. Vielleicht ist es doch wieder interessant, mehr über Roth oder Petersgmünd
zu wissen und eben nicht nur, wie es auf den Malediven aussieht.

GERD BERGHOFER, RHV vom 7. März 2005

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