Lutz Görner spricht Heinz Kahlau


Gedichte aus 50 Jahren

 

Mittwoch, 22. September 2004, 19.30 Uhr

bei Genniges Bücher in Roth

Wer ist Heinz Kahlau? Neugierig hängt das Publikum dem Rezitator Lutz Görner an den Lippen und lauscht den lakonischen Versen, die so eingängig und vertraut klingen, als hätte man sie schon immer gekannt. Ein spätes Liebeslied wie dieses, das man auch als politisches Lied lesen kann:

„Als ich meine erste/und meine letzte Liebe/beieinander sah,/fragte ich mich verwirrt: Warum hab ich mich,/auf dem langen Wege/dazwischen,/so oft verirrt?“ Heinz Kahlau, 1931 in der Weimarer Republik geboren, ist neben Eva Strittmatter der meistgelesene deutsche Lyriker der Gegenwart; seine Auflagen sind höher als die von Enzensberger, Rühmkorf, Fried und Jandl zusammen genommen. Knapp zwanzig Lyrikbücher gibt es von ihm, wobei allein sein Band „Du“, eine Sammlung von Liebesgedichten, sich mehr als 250 000 Mal verkauft hat.

Kahlau ist in Berlin aufgewachsen und war Meisterschüler bei Bertolt Brecht. Im Osten füllt er bei Lesungen Säle, im Westen ist er auf dem Vormarsch. Dank Lutz Görner, der im Aufbau Taschenbuch Verlag „Die schönsten Gedichte“ Kahlaus herausgegeben und auf einer Doppel-CD gesprochen hat. Nun ist Deutschlands bekanntester Rezitator, 'die lyrische Stimme Deutschlands', wie ihn die FAZ genannt hat, mit seiner ganz persönlichen Auswahl von Kahlau - Texten auf Lesereise durch 50 Städte im Westen und staunt über die Resonanz.
Wieso, fragen sich viele seiner Zuhörer, begegnen wir diesem Dichter erst jetzt? Kahlau lebte und arbeitete in der DDR. Doch er war kein Opportunist. Er war ein kritischer DDR-Bürger, von der Stasi ausspioniert. Und er ist ein schöpferischer und selbstkritischer Künstler geblieben, der heute bekennt:

„Ich hab‘ meinem Lied oft genug auf den Hals treten müssen“.

Lutz Görner sagt über seine Auswahl: „Sie ist der Versuch, dem Publikum im Westen Heinz Kahlau näher zu bringen, ihn schätzen- und lieben zu lernen. Ich will ihn dabei nicht verbiegen und hellsichtiger machen, als er war und ist. Ich trage ganz einfach die Gedichte vor, die mir am besten gefallen.“

Drei Pressestimmen:

„Aus fünfzig Jahren Lyrik eines Mannes, der drei politische Systeme in sich aufnehmen, verarbeiten musste und heute auf Usedom fühlt, denkt und schreibt..., wählt Görner sensibel aus, verbindet Vergangenheit und Gegenwart, das Alltägliche und das Besondere und erreicht eine faszinierende, konzentrierte Stille, die durchbrochen wird von den zum Schmunzeln oder Lachen animierenden Gedichten.“

Westdeutsche Zeitung, Düsseldorfer Nachrichten

„In der DDR veröffentlichte Heinz Kahlau knapp zwanzig Gedichtbände. Im Westen hat er erst nach dem Mauerfall Fuß gefasst, seither ist er dort auf dem Vormarsch. Doch viele Lyrikfreunde kennen ihren Kahlau noch nicht, nur den berüchtigten Kalauer.“

Thüringische Landeszeitung, Weimar

Lutz Görner hatte zwei Dinge auf seiner Seite, schon bevor er begann: Heinz Kahlau und das Publikum. Wer Kahlaus Gedichten wegen gekommen war, und wer, um Görner sie vorlesen zu hören, ließ sich mit letzter Gewissheit angesichts des übervollen Saales nicht sagen. Es versteht sich, dass Kahlau als Autor der Star dieses Zweimannteams ist. Aber den donnernden Applaus hat Lutz Görner entgegen genommen. Schließlich ist er der Vorleser.

Freie Presse, Dresden

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