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Renan Demirkan, geboren 1995 in Ankara seit ihrem 7. Lebensjahr in Deutschland lebend, dürfte einigen Lesern noch von ihrem Engagement in den 80er Jahren am Schauspielhaus Nürnberg (heute: Staatstheater Nürnberg) her bekannt sein. Andere könnten sie von Rollen in Film und Fernsehen, z. B. in Krimis wie „Tatort“ oder „Der Alte“ kennen. Das ist die eine Seite von Renan Demirkan.
Eine andere Seite zeigt sie mit Veröffentlichungen von Prosatexten und Romanen, was 1991 mit „Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker“ begann. Ihr Buch „Es wird Diamanten regnen vom Himmel“ wird im Klappentext als „kleiner Roman“ über die „großen Dinge des Lebens“ bezeichnet, als „fast romantische Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die nichts miteinander zu tun haben und es trotzdem passieren lassen“. Es stellt aber nach Ansicht des Rezensenten mindestens genauso einen Versuch dar, Sozialarbeit erlebbar zu machen und auf das Schicksal von Heimkindern hinzuweisen und dabei den Fokus auf ein ganzheitliches soziales Handeln zu richten. So ist es kein Zufall, dass Renan Demirkan auch als Herausgeberin von der im gleichen Jahr erschienenen Veröffentlichung „Der Mond, der Kühlschrank und ich“ fungiert, in der Gedichte, Rap-Texte, Erzählungen, Reportagen, Tagebuchtexte und Märchen von 5 – 17-jährigen Heimkindern in Deutschland versammelt sind.
Die stärksten Seiten des Romans bilden denn auch für den Schreiber dieser Zeilen die Stellen, wo Rosa, einer 42-jährigen Tanztherapeutin in einem Heim und alleinerziehender Mutter einer „anstrengenden“ 11-jährigen Tochter, der Selbstmord eines ihrer Schützlinge, der 15-jährigen Katja, bis ins Mark dringt. Mit unglaublicher Intensität breitet hier Renan Demirkan die Reaktion ihrer Protagonistin Rosa auf diesen Vorfall aus, der sie fast aus der Bahn wirft und letzte Sinnfragen stellen lässt. Renan Demirkan gelingen aber gerade hier überaus eindrucksvolle poetische Bilder so, wenn sie von der Musik „wie einer Gondel“ spricht, „die wegzieht aus der Wirklichkeit“. Dass einzelne Stellen fast schon überladen scheinen von Vergleichen Metaphern und Sprachbildern, sei hier aber auch kritisch angemerkt. Formulierungen wie „Zusammenfallen wie Laub“ scheinen eher der Trivialliteratur entlehnt.
Trotz ihres Lebens „am Anschlag“ als Sozialpädagogin und alleinerziehender Mutter, leistet sich Rosa eine „Amour fou“ mit Rick, einem Testfahrer bei Ford, einem dicken Auto, stets mit lässiger Sonnenbrille auf der Nase, auch wenn die Sonne gerade nicht scheint sowie mit Kontakten ins „Milieu“ (Boxstudio!). Obwohl er „eigentlich“ so ganz anders ist als sie, lässt sie sich auf eine Beziehung ein und ringt heftig mit sich, auch wenn das Ganze von ihrer Umgebung fassungslos verfolgt wird. Ein Kabinettstückchen gelingt Renan Demirkan dabei mit der Darstellung des Griechen Theo, eines etwas skurrilen Antiquitätenhändlers aus der Umgebung von Köln. Rosa lässt „es passieren“ und steht schließlich auch dazu. So beginnt auch der Roman mit einer Rückblende: „Ich habe Ja gesagt. Das erste Mal seit einer Ewigkeit, ein einfaches Ja ohne Zweifel und Rechtfertigung, ohne die süchtige Angst, dass ich es morgen sowieso wieder bereuen werde – zwei Buchstaben randvoll mit Zuversicht und Übermorgen“.
Als der Rezensent anlässlich einer Dichterlesung 2003 Renan Demirkan um eine Widmung für den Roman bat, zitierte sie ihre „Heldin“ Rosa mit: “…Glück ist eine Uhr ohne Zeiger…“, einer Rosa, die sie auch im 1. Teil des Romans formulieren lässt: „Die Zeit…verteilt keine Absolution, im Gegenteil, du musst sie ertragen. Zeit ist eine Prozession bis ins Herzende.“ Rosa hat sich auf ein „Universum“ eingelassen, „in dem Fehler erlaubt sind, Versagen zum Wachsen gehört und Umwege die Suche erst richtig spannend machen.“ So steht auch am Ende des Romans das Lachen von Rosa, ein Lachen, von dem sie schreibt: „Ich lachte, bis mir der Hals weh tat, lachte endlos, als hätte das Lachen Flügel bekommen und wollte nicht mehr zurück.“
Unbedingt lesenswert!
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