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In den Gärten - so Friedrich Hölderlin - "lebt
die Natur geduldig und häuslich / pflegend und wieder
gepflegt / mit den fleißigen Menschen zusammen".
Gärten halten den Glauben wach (und "lokalisieren"
ihn), dass das sanfte Gesetz kein leerer Wahn ist. Zäune
und Mauern verhindern den Einbruch von Chaos und der Menschen-Wölfe
(homo homini lupus), damit das Wachstum des Humanen ermöglichend.
Aber es gibt auch die unheimlichen Gärten: im "totgesagten
Park" nistet das Verhängnis.
Den Garten lesen, das bedeutet, bald Furchendasein, bald Sphärenflug
zu erfahren, im Humus der frommen Denkungsart sich einzubergen
oder nach Arkadien bis Elysium aufzubrechen. Die Gartenliteratur
ortet - von Homer bis Richard Wagner, von Bergil bis Stefan
George, vom Hohen Lied Salomos bis zu Marie Luise Kaschnitz,
von den Pegnitzschäfern bis Rainer Maria Rilke - menschliche
Hoffnungen und Sehnsüchte, die sich auch im Gartenzwerg,
dem Hüter aus Stein und Kunststoff verdinglichen. Der
Garten ist ein Territorium für Seinsgewissheit, doch
auch Ort für Spießer und Schreber, die sich nicht
selig, sondern mitleidslos vor der Welt verschließen.
In Ansicht des Gartens: Morgenlust und Nachtgedanken, Gartenlaubenglück
und blühender Narzismus.

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